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Bewegung, Gesundheit, Interview, Radfahren

Michael Schedl – bicycle company

Auf der Suche nach einem Fachhändler für Fahrräder, fanden wir Michael Schedl. Der Gründer und Inhaber der Bicycle Company am Getreidemarkt in Wien, kann auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen, die er gerne weiter gibt. Denn mit fachkundiger Beratung macht Radfahren gleich noch mehr Spaß.

In Vorbereitung auf Sport- und Gesundheitstraining das Magazin für zeitlose Lebensqualität unterhielt sich Chefredakteurin Lydia Weber mit Michael Schedl. Da Sport- und Gesundheitstraining zu unterschiedlichen Assoziationen führt, fragten wir nach:

LW Ch.-Red.:

Es würde mich interessieren, was Ihnen zum Thema Sport- und Gesundheitstraining einfällt, wenn Sie diesen Begriff hören?

Michael Schedl – Bicycle Company:

Sport- und Gesundheitstraining: ich würde sagen, einerseits geht es natürlich um das Thema der Fitness. Vielleicht sogar um die Frage, womit mache ich Fitness. Was passt zu mir? Und mir fällt natürlich die Instagram Generation ein, die mit relativ schnellen Bildern, Videos und großartigen Leuten dazu animiert, dass man dementsprechend Sport oder Fitness macht – in der einen oder anderen Art. Ob das dann richtig oder falsch ist, muss man dann selbst beurteilen.

LW Ch.-Red.:

Können Sie eine Veränderung wahrnehmen, so in den letzten  – sagen wir – 5 Jahren, wie sich die Einstellung der Menschen generell zum Thema Bewegung verändert hat?

Michael Schedl – Bicycle Company:

Also ich würde sagen, da gibt es einen riesigen Sprung. Ich würde fast meinen, dass dieser schon länger, also sicher schon vor 6-7 Jahren begonnen hat. Wir arbeiten alle sehr viel, auch muss man sagen, da wir in einer Luxusgesellschaft leben, können wir jeden Tag entscheiden was wir essen, wir können sogar jeden Tag entscheiden, welchen Sport wir machen. Ich kann in der Früh laufen gehen, oder Radfahren, ich kann Tennis oder Squash spielen. Freizeit ist Menschen immer wichtiger geworden, weil wie ich glaube, die Arbeitswelt so schnell, und intensiv geworden ist. Das Thema Sport hat sich aus diesen Gründen sicher verändert, auch sicher weil wir so viele Möglichkeiten haben.

LW Ch.-Red.:

Erzählen Sie uns aus Ihrem persönlichen Fachbereich. Sie sind auf Fahrräder spezialisiert, Transport auf 2 Rädern.

Michael Schedl – Bicycle Company:

Wir verändern uns permanent. Wir haben einen Zyklus wo wir uns, ich würde sagen alle 2 – 3 Jahre wieder anpassen müssen. Der Markt reagiert sehr schnell, die Industrie produziert viele Dinge , die wir dann auch nicht verkaufen möchten – aus ideologischen Gründen.

Aktuell haben wir uns auf Fahrräder spezialisiert die einfach sind, simple in der Handhabung, dennoch nicht unbedingt viel kosten müssen. Fahrräder, die man auch selbst warten kann, und wo wir als Unternehmen garantieren können, dass wir noch in 5-6 Jahren die Ersatzteile noch bekommen. Das ist unsere aktuelle Spezialisierung und unser Focus.

Denn es gibt leider Produkte, die so produziert werden, dass das nicht mehr garantiert werden kann. D.h., dass wenn Sie vielleicht in 4 Jahren ein Problem mit Ihrem Fahrrad haben, und ein Händler zu Ihnen sagt: “es tut mir leid, ich bekomme das Ersatzteil nicht mehr. Bitte kaufen Sie sich ein neues Fahrrad.“ Oder ich muss das ganze Fahrrad so umbauen, dass der Umbau so viel kostet, wie ein neues Fahrrad.

Bei uns ist das nicht der Fall!

LW Ch.-Red.:

Gibt es etwas, das Sie persönlich beschäftigt, das Sie gerne verbessern oder ändern möchten?

Michael Schedl – Bicycle Company:

Aktuell natürlich, also jetzt bin ich schon seit etwa über 25 Jahren in der Branche, und was mich persönlich beschäftigt ist leider die Qualität, die wir von vielen Produzenten geliefert bekommen. Diese entspricht nicht mehr dem, was wir vor 10 Jahren gewohnt waren. Und es sind immer mehr Produkte die auf den Markt kommen, die eine zu kurze Entwicklungszeit haben, wo der Kunde dann eigentlich das Testobjekt ist, und die Geschwindigkeit mit der Produkte jedes Jahre gelauncht werden.

Man kommt da als Händler teilweise nicht mehr nach, alle 3 Jahre kommt etwas Neues raus, ein Gang mehr, und das sind so die Entwicklungen, die für „Otto-Normalverbraucher“ gar nicht notwendig wären. Die Industrie meint aber alle 3-4 Monate etwas Neues bringen zu müssen, anstatt hier auf Qualität und Langlebigkeit zu achten, wird hier auf Kurzlebigkeit geachtet.

LW Ch.-Red.:

Wenn wir jetzt das Radfahren an sich als Sport, oder als Gesundheitstraining sehen wollen, stelle ich mir die Frage: wie ist das aus Ihrer Erfahrung aufgeteilt? Viele Kunden von Ihnen werden das Fahrrad mit Sicherheit als reines Transportmittel verwenden, und manche für den Sport. Oder wird es kombiniert? Was können Sie uns da aus Ihrer Erfahrung dazu sagen?

Michael Schedl – Bicycle Company:

Die Vielseitigkeit tritt immer mehr in den Vordergrund. Wir haben immer mehr Kunden die gerne ein Rad haben möchten, mit dem sie so viel wie möglich machen können. Mit dem sie im Alltag fahren, und Sport machen können. Ich glaube die größte Anzahl an Kunden ist die, die sagt, ich möchte mich draufsetzen von a nach b kommen, und am Abend mache ich etwas anderes. Gleichzeitig gibt es eine steigende Anzahl an Kunden die das kombinieren möchten.

LW Ch.-Red.:

Von a nach b zu fahren ist eine körperliche Bewegung – das ist unbestreitbar der Fall. Wie gesund sehen sie es in Wien, bei der aktuellen Verkehrslage, mit dem Rad unterwegs zu sein. Kann man das so überhaupt bewerten?

Michael Schedl – Bicycle Company:

Es gibt da durchaus einige Studien, die beweisen, dass täglich 30 min Fahrrad fahren positive Auswirkungen auf den gesamten Organismus hat, als die negativen Auswirkungen über feinstoffliche Belastungen, die durch das Einatmen von Abgasen erfolgt. Ich glaube man muss es dann schon auch relativieren, wo ich fahre. Ich denke es ist nicht gesund die ganze Zeit hinter einem LKW zu fahren, aber tatsächlich sind die positiven Auswirkungen von 30 min täglich Fahrradfahren immens groß.

Die Durchblutung steigt einfach, die Zellen werden mit Sauerstoff versorgt, die Aktivität der Lungen steigt. Kreislauf wird bewegt. All das sind positive Dinge, die ich jetzt mit dem Roller fahren oder zu fuß gehen in dem Ausmaß nicht habe. Dann sind wir bei einem sehr spezifischen Punkt. Nämlich wieviel Feinstaub und Abgase atme ich ein ? Das ist sicher regional unterschiedlich. Wahrscheinlich wird das in St. Pölten wesentlich weniger sein als in Wien vielleicht an manchen Stellen.

Aber ich glaube die positiven Auswirkungen überwiegen.

LW Ch.-Red.:

Unser Magazin befasst sich mit Sport- und Gesundheitstraining, und zwar mit dem Focus dass es Sport für alle Altersgruppen gibt. Wo sehen sie die Grenzen der Nutzbarkeit des Radsportes in der Freizeit?

Michael Schedl – Bicycle Company:

Da es schon so viele verschiedene Räder gibt, wie z. B. Mountainbike, Trekkingbike, Rennrad, Gravelbike, Hollandrad, E-Bike, gibt es fast keine Grenzen mehr.

Ich würde sagen wo vielleicht die Grenzen erreicht sind, ist mit dem E-Bike. Da habe ich zwar nicht mehr die Grenze der Kondition, aber punkto Fahrkönnen. Aber eigentlich ist es bei jedem Rad der Fall, dass man sich voran tasten muss. Und dann glaub ich ist die Grenze der eigene Wille – natürlich eine Kopfsache – und vielleicht eine Verletzung. Also es gibt sicher Hüftschäden, wo ich nicht 100 %-ig weiß, ist Fahrradfahren wirklich gut. Oder Rücken Probleme, Bandscheibenvorfälle – je nachdem welcher Wirbel, da kann das Fahrradfahren nicht mehr so gut sein.

Aber ansonsten muss ich gestehen fällt mir jetzt nichts ein, weil selbst mit Reiserädern kann ich die ganze Welt umfahren. Da ist für mich die Grenze fast nicht mehr da.

LW Ch.-Red.:

Was verstehen Sie unter einem Reiserad?

Michael Schedl – Bicycle Company:

Ein Reiserad ist ein Fahrrad, das vom Rahmen her so stabil gebaut ist, hinsichtlich der Konstruktion, dass ich einerseits gemütlich auf dem Rad oben sitze, andererseits tatsächlich 2000 km fahren kann, und das Fahrrad hält mich als Fahrer + Gepäck aus, Da gibt es diverse Marken an Reiserädern, mit denen Fahrer quer durch Indien z.B. fahren. Oder die Seidenstraße entlang.

LW Ch.-Red.:

Wie stehen Sie persönlich zu Sport- und Gesundheit?

Michael Schedl – Bicycle Company:

Ich mache schon seit meinem 12. Lebensjahr Sport. Das Fahrradfahren begleitet mich schon seit diesem Zeitpunkt. Und war immer schon um einerseits in der Natur zu sein, den Kopf abzuschalten zu können, und andererseits aber auch beim Mountainbiken z. B. dieser Reiz: jetzt habe ich es geschafft – ich bin oben angekommen – und jetzt gönne ich mir die Abfahrt. Also das war immer schon für mich ein unglaublich wichtiger Teil. Und Sport war immer für mich in der Hinsicht Bewegung, Abschalten können ,etwas zu erreichen. Das war und ist nachwievor ein Punkt im Leben, den ich nicht missen möchte.

LW Ch.-Red.:

Gibt es andere Sportarten, die Sie neben dem Radfahren durchführen?

Michael Schedl – Bicycle Company:

Also aktuell aus zeitlichen Gründen nicht mehr so viel, aber früher war ich gern Volleyballspielen, ein bisschen Schwimmen nebenbei, eigentlich als Ausgleich, und immer wieder ab und zu im Fitness Center. Das um auch andere Muskeln zu trainieren, und weniger zum Bodybuilding oder Bodyshaping.

LW Ch.-Red.:

Abschließend möchte ich ihnen ganz gern noch eine persönliche Frage stellen: was würden sie Menschen raten, die Sie danach fragen würden, welchen Sport sie ausüben sollen?

Michael Schedl – Bicycle Company:

Ich glaube die Frage ist vielleicht ein in sich selbst mal hineinhören. Was macht mir Spaß? Diese Frage kann dann wirklich nur jeder für sich selbst beantworten, indem man auf sich selbst schaut, und ausprobiert. Ich glaube, das Ausprobieren ist wirklich etwas ganz Wichtiges. Denn manchmal gibt es tatsächlich Dinge, da wäre man gar nicht davon ausgegangen, dass es doch so viel Spaß macht. Weitere Überlegungen wären vielleicht noch: was kann ich machen, wie ist meine Kondition, wie ist mein Können, wo bin ich gut, habe ich ein gutes Gleichgewicht dann  warum nicht Slacklinen. Habe ich das aber vielleicht nicht, brauche ich den Adrenalinschub – warum nicht Mountainbiken – mit einem tollen Bergabfahrerlebnis. Ich glaube das würde ich jemandem raten: schau auf dich selbst hör in dich hinein, und dann probier‘ es einfach aus.

LW Ch.-Red.:

Ich bedanke mich für das heutige Interview und für Ihre Zeit.

Michael Schedl – Bicycle Company:

Vielen Dank!

(Ch.-Red., 16.11.2020 | Foto © Lydia Weber)